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Die Legende von den heiligen drei Königen.

(In zwölf Romanzen - von Gustav Schwab)





Karin Rohner - Liebe-Lose-Gedichte.de/Stern

6.  Romanze

Wie die Könige in Jerusalem einzogen und zu Herodes kamen. 

 


1. Romanze
Wie auf einen Berg im Morgenlande zwölf Sternseher gesetzt wurden.

 2. Romanze
Wie der Stern erschien.
 3. Romanze
Wie drei Könige sich aufmachten, dem Sterne zu folgen.
 4.Romanze
Wie die Könige fuhren.
 5. Romanze
Wie die Könige zusammen kamen.
 6. Romanze
Wie die Könige in Jerusalem einzogen und zu Herodes kamen.
 7. Romanze
Was den Königen auf ihrer Fahrt nach Bethlehem begegnete.
 8. Romanze
Wie die Könige zu Bethlehem das Kind Jesus fanden und es anbeteten.
 9. Romanze
Wie Joseph mit der Jungfrau und dem Kinde floh.
 10. Romanze
Wie Herodes die Kindlein in Bethlehem ermorden ließ.
 11. Romanze
Wie die Könige nach Hause kamen und was weiter geschah.
 12. Romanze
Wie die Könige Abendmahl hielten und starben.

Adventskalender  



   Der Nebel schwand im Sonnenlichte -
Da glänzte Tempel, Burg und Stadt.   
Als nun die Schar, die reiche, dichte,
durch die erhellten Tore trat.
   Erfüllung wurde da dne Worten:
"Es kommt, o Stadt! mit Gold und Gut
der Heiden Kraft, und deine Pforten
umlagert der Kamele Flut."

   Doch zitterten, die drinnen wohnen,
als sie die Heereskraft erblickt.
Die Völker, die aus fernen Zonen
der Aufgang, der erregte, schickt.
   Die Stadt, sie faßte sie nicht alle,
der Markt ist voll, es stockt das Tor.
Die andern lagern sich am Walle,
und liegen, wie ein Feind, davor.

   Da dachte man der Väter Zeiten,
die sahen all der Völker Zahl
um Wall und Mauer feindlich streiten
und sie bestürmen allzumal.
   Da ward manch banges Wort gehöret:
"Der Indier ist da, der Mohr!
Der Ahnherr hat die Stadt zerstöret,
wer weiß, was uns der Enkel schwor!"

   Den alten König aus dem Schlafe,
auch den Herodes, weckt der Klang.
Er hört es nahn wie Himmelsstrafe,
er sieht vom Fenster aus den Drang.
   Bald merkt er, wie der laute Schrecken
in stille Freude sich verkehrt -
die Neugier lispelt an den Ecken,
was ihr der Fremden Mund beschehrt.

   Er hört das leise Wort der Leute:
"Geboren ist, den Gott verheißt!"
Und des Propheten Spruch tritt heute
gerüstet vor den finstern Geist.
   Die Schriftgelehrten heischt gesamt er,
die Priester in den hohen Rat
und fragt: "Wo ist, von wannen stammt er,
der nach der Schrift Verheißung naht?"

   Sie sprechen all aus einem Munde:
"Du kennest des Propheten Wort!
Nicht deutet es, o Herr, die Stunde,
doch wohl bezeichnet es den Ort:
   Du kleines Bethlem bist erkoren,
vor allem Juda sei erfreut!
Der Herzog wird aus dir geboren,
der seinem Israel gebeut."

   Der König hat genug vernommen.
Er sendet nach den Fremden aus.
Er bittet sie, zu ihm zu kommen,
man führt sie heimlich in sein Haus.
   Da treten herrlich ausgeschmücket
die Fürsten vor sein Angesicht.
Er steht so ärmlich, so gebücket -
nein, solch ein König ist er nicht!

   Doch sprechen sie mit würdgem Neigen:
"Wir sehn, du bist der Fürst des Lands.
Du wollst das Königskind uns zeigen,
das aufging, dieses Volkes Glanz.
   Es deutete, was da geschehen,
ein alter Seherspruch uns schon.
Wir haben seinen Stern gesehen, -
Sprich! Ists dein Enkel, ists dein Sohn?"

   Doch der, im Herzen schwer betrübet,
sprach da mit lächelndem Gesicht,
in aller Falschheit wohl geübet:
"In meinem Hause suchet nicht
   Es künden der Propheten Geister
wohl einen andern größern Herrn!
Auch mir erzähltens meine Meister,
und ich - fürwahr, ich hört es gern.

   Drum sagt mir, wann sein Stern erschienen,
erforschen möcht ich es mit Fleiß.
Ich selber, glaubt mir, will ihm dienen,
sobald ich seine Stätte weiß.
   Es lassen ihn die alten Kunden
aus Bethlem, Davids Stadt, erstehn.
Eilt! Sagt mirs, wenn ihr ihn gefunden.
Nicht dürft ihr mich vorüber gehn!"

   Er schweigt, und aus des Busens Schwärzen
füllt sich sein Angesicht mit Nacht.
Den frommen Blick, die lichten Herzen
der Könge es nicht irre macht.
   Sie künden ehrlich Tag und Stunde,
daran das Licht erschienen ist.
Sie grüßen mit getreuem Munde
und ziehen weiter nach dem Christ.

   Und Dromedar und Stier und Schafe
und Roß und Mann ziehn aus der Stadt.
Jerusalem legt sich zum Schlafe,
in dem es vor gelegen hat.
   Nur in dem Schloß, da wacht und zittert
Herodes vor der Fremden Wort.
Er rechnet hin und her, er wittert
Trug und Verrat. Er sinnt auf Mord.

 
7. Romanze



Gustav Schwab, Dichter, geboren am 19.6.1792 in Stuttgart, gestorben
am 14.11.1850; Mitglied des Schwäbischen Dichtervereines;
volkstümliche Lyrik, (Studentenlieder, Balladen, Romanzen);
Nacherzähler klassischer und deutscher Sagen und Volksbücher -
 "Die schönsten Sagen des Klassichen Altertums", (1838-40).
(Lexikon der Büchergilde Gutenberg 1975)


Der Text dieser Legende wurde einem antiquarischen Gedichtband von
1845 entnommen und von mir auf diesen Seiten aufbereitet. 





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6. Romanze-Jerusalem